Pharisäer: Ein norddeutscher Klassiker mit Geschichte und Charakter
Der Pharisäer ist ein Kaffee mit Rum – aber nicht nur das: Er ist ein Stück norddeutscher Kulturgeschichte. Kräftiger, heißer Kaffee trifft auf einen guten Schuss Rum und eine Haube aus Schlagsahne – eine Kombination, die heute als gemütliche Spezialität in Cafés, auf friesischen Festen und an kalten Küstenabenden geschätzt wird. Der Pharisäer ist ein Getränk mit Witz, Wärme und Tradition – und er erzählt eine Geschichte, die so typisch norddeutsch ist wie der Wind über der Nordsee: ein Akt stillen Protests, verpackt in Genuss. Auf diebarista.com erfährst du mehr über Herkunft, Zubereitung und Varianten dieses charaktervollen Klassikers – und findest den passenden frisch gerösteten Kaffee, um ihn stilecht selbst zuzubereiten. Auch alle Infos über die Kaffeekonzepte für Unternehmen und das Kaffee-Catering von Die Barista sind hier nachzulesen. Schau dich um!
Was ist ein Pharisäer?
Ein Pharisäer ist eine Kaffeespezialität aus starkem, frisch gebrühtem Kaffee, einem ordentlichen Schuss braunen Rum und einer Haube aus ungesüßter Schlagsahne. Zucker wird – anders als bei vielen anderen Kaffeegetränken – direkt in den Kaffee eingerührt, bevor der Rum hinzukommt. So entsteht ein heißes, kräftiges Getränk mit einer feinen Süße, einer leicht alkoholischen Wärme und einem kühlen, cremigen Abschluss.
Der Pharisäer wird traditionell in einer Tasse oder einem Glas serviert, meist mit einem Löffel dazu – aber ohne den Kaffee umzurühren. Der Genuss liegt gerade in den Schichten: heißer, kräftiger Kaffee unten, cremige Sahne oben.
Ursprung und Geschichte des Pharisäers
Die eigentlichen Pharisäer waren Schriftgelehrte, genauer: eine philosophische, politische und theologische Schule im Judentum der Antike. Laut dem Neuen Testament kritisierte Jesus die Pharisäer als Heuchler, denn sie würden zwar alle Gesetze streng befolgen, aber den eigentlichen Sinn dahinter nicht beachten. Diese christliche Auslegung ist auch Ursache für die Namensgebung des Kaffeegetränks:
Entstanden ist der Pharisäer unter eben dieser Bezeichnung der Legende nach im 19. Jahrhundert auf der nordfriesischen Insel Nordstrand. Damals amtierte dort der sehr strenge Pastor Georg Bleyer, in dessen Gegenwart kein Alkohol getrunken werden durfte. Anlässlich einer Taufe bereitete man deswegen einen besonderen Kaffee zu, bei dem die Sahnehaue verhinderte, dass Rum verdunstete und es nach Alkohol roch. Der Pastor erhielt immer einen normalen Kaffee – mit Sahne, aber ohne Alkohol. Als er den Trick entdeckte, soll er gerufen haben: „Oh, ihr Pharisäer!“ und so kam das spätere Nationalgetränk der Nordfriesen zu seinem Namen. Heute ist der Pharisäer ein Symbol für friesische Lebensfreude und norddeutschen Humor – bodenständig, kräftig und ein wenig verschmitzt.
Zubereitung eines Pharisäers
Für die Zubereitung eines echten Pharisäers braucht man nur wenige Zutaten, aber Fingerspitzengefühl. Zunächst wird ein starker Kaffee aufgebrüht – etwa aus einer kräftigen Filterröstung oder einem intensiven Mokka. In eine vorgewärmte Tasse gibt man dann Zucker nach Geschmack, darüber gießt man den heißen Kaffee und anschließend etwa 2–4 cl braunen Rum (traditionell norddeutscher oder karibischer Rum). Zum Abschluss folgt eine dichte Haube aus frisch geschlagener, ungesüßter Sahne – sie hält den Rumduft im Kaffee und sorgt für die charakteristische Textur.
Ein echter Pharisäer wird nicht umgerührt – man trinkt den heißen Kaffee durch die kühle Sahneschicht hindurch. Dieses Zusammenspiel aus Wärme, Stärke und Cremigkeit ist es, was den Pharisäer so unverwechselbar macht.
Der Pharisäer und seine Nachbarn
Während der Pharisäer in Norddeutschland beinahe ähnlichen Kultstatus genießt wie die Ostfriesentee-Mischung, ist er international ein Geheimtipp für Liebhaber herzhafter Kaffeespezialitäten. Er ist typisch norddeutsch: schlicht, direkt und ehrlich, keine aufwendige Garnitur, kein Zuckerüberfluss – nur Kaffee, Rum, Sahne. In Skandinavien finden sich ähnliche Getränke, etwa der dänische „Kaffepunsch“ oder der schwedische „Kaffe Karlsson“, die ebenfalls Kaffee mit Alkohol und Sahne kombinieren.
Auch mit dem österreichischen Fiaker ist der Pharisäer verwandt. Dieser wird ebenfalls mit Rum und Schlagobers serviert, ist jedoch kräftiger und meist süßer. Und der Irish Coffee kombiniert Kaffee mit Whiskey, braunem Zucker und Sahne, bleibt aber weicher und malziger im Geschmack als der Pharisäer. Beim italienischen Caffè Corretto wird Espresso mit Grappa oder Sambuca verfeinert – jedoch ohne Sahne, denn dort stehen die Intensität des Alkohols und des Kaffees stärker im Vordergrund.
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